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Texte zur Ikonenmalerei


Iakov Khesin. Ein paar Worte zur umgekehrten Perspektive

In der Ikone gibt es nichts Zufälliges oder ohne Folgerichtigkeit. Sowohl aus Sicht der Theologen wie auch aus Sicht der Technik stellt alles ein harmonisches und folgerichtiges System von Ansichten, Vorstellungen und Verständnis dar. Die Folgerichtigkeit des Prozesses im Ganzen, sowie auch die Folgerichtigkeit des Malens ihrer Teile ist nicht nur eine technische Besonderheit, sondern auch eine sehr wichtige innere Besonderheit (ihr Wesen).
Wenn wir uns aus der Sicht eines realistischen Malers vorstellen, wie er den Bildraum wahrnimmt, dann wird der Hauptunterschied zur Ikonenmalerei in der Betrachtung der Bildoberfläche als potenzieller Tiefe bestehen. Diese Sicht macht er zu seiner Malmethode und zwingt dadurch den Betrachter an diese Tiefe zu glauben. Auf der zweidimensionalen Ebene entsteht die Illusion eines dreidimensionalen Raumes.
Der lkonenmaler denkt und handelt vollkommen anders. Er betont bewusst die Flächigkeit des Brettes. Die Sprache der Ikone ist nicht eine Illusion der Realität, sondern die Realität des Symbols. Die Ikone - das ist «nur» Brett und Farbe. Es wird genau diese Darstellungsrealität unterstrichen als Realität des Symbols. Auf der Ikone ist nicht der Heilige selbst, aber sein Bild (seine Darstellung). Nicht die Illusion, sondern - wenn man so will - die Wirklichkeit. Das Symbol (Brett und Farben) und die symbolisierte Darstellung des/der Heiligen, also Bild (die Ikone) und Urbild sind das, was in der östlichen Kirche besonders verehrt wird.
Den lkonenmaler interessiert nicht die Illusion, sondern die Realität. Das gesamte Bild und Teile davon (am wichtigsten das Antlitz) werden vom lkonenmaler nicht in der «Tiefe» des Bildes platziert, sondern unmittelbar vor uns, auf der Oberfläche.* Tatsächlich ist das eine gut überlegte Anschauung der alten Kirche zum Problem des Materiellen und Geistigen, der Illusion und der Wirklichkeit, Bild (Darstellung) und Urbild.

*Die Vorstellung von «nicht ausgereift», «kindlich», «mittelalterliche Denkweise und Darstellungsmethode, verbunden mit der flächenhaften Darstellung» hält keiner Kritik stand.






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Zurzeit bietet das Studio "Icona" keine Ikonenmalkursen an. Wenn Sie jedoch an unseren Kursen interessiert sind, schreiben Sie uns, wir werden Ihnen gerne über unsere Pläne für die Zukunft antworten. Unsere E-Mail-Adresse: n.i.khesin@gmail.com

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